Friedrich Merz: So hoch ist das Vermögen 2026

Kaum ein deutscher Spitzenpolitiker hat einen so ausgeprägten Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft hingelegt wie Friedrich Merz. Zwischen seinem Ausstieg aus dem Bundestag 2009 und seiner Rückkehr an die CDU-Spitze lagen fast anderthalb Jahrzehnte in Aufsichtsräten, Anwaltskanzleien und Beraterrollen, die seine heutige Vermögenslage maßgeblich prägen.
Steckbrief: Friedrich Merz
- Vollständiger Name: Joachim Friedrich Martin Josef Merz
- Geburtsdatum: 11. November 1955
- Geburtsort: Brilon, Sauerland
- Ausbildung: Rechtswissenschaft in Bonn und Marburg, Richter auf Probe, später Rechtsanwalt
- Bekannt für: Bundeskanzler (seit Mai 2025), CDU-Vorsitzender
- Frühere Ämter: Mitglied des Europäischen Parlaments (1989–1994), Bundestagsabgeordneter (1994–2009), Fraktionsvorsitzender CDU/CSU (2000–2002)
Werdegang: Von der Jungen Union ins Europaparlament
Merz trat bereits mit 17 Jahren der CDU bei. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst studierte er Rechtswissenschaft in Bonn und Marburg, legte beide Staatsexamen ab und war anschließend für ein Jahr Richter auf Probe, bevor er als Rechtsanwalt tätig wurde. 1989 zog er ins Europäische Parlament ein.
Vor der EU-weiten Diätenreform von 2009 wurden Europaabgeordnete nicht einheitlich vergütet, sondern nach dem jeweiligen nationalen System bezahlt. Für deutsche Abgeordnete bedeutete das: Sie erhielten dieselben Bezüge wie Mitglieder des Deutschen Bundestages.
Laut der offiziellen Diäten-Übersicht des Deutschen Bundestages lag die monatliche Abgeordnetenentschädigung in Merz’ Zeit als Europaabgeordneter bei 9.221 DM. Hochgerechnet auf seine gesamte fünfjährige Mandatszeit ergibt das eine Grundentschädigung von rund 597.000 DM, umgerechnet zum späteren fixen Eurokurs (1 Euro = 1,95583 DM) entspricht das etwa 305.000 Euro, allerdings ohne Inflationsbereinigung und ohne die zusätzliche steuerfreie Kostenpauschale, die Abgeordnete zusätzlich zur eigentlichen Diät erhielten.
Bundestag, Fraktionsvorsitz und Rückzug aus der Politik
1994 wechselte Merz in den Deutschen Bundestag. Im Jahr 2000 wurde er Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, verlor diesen Posten 2002 an Angela Merkel und wurde daraufhin ihr Stellvertreter, bis er die Fraktionsführung 2004 endgültig verließ. Bereits in dieser Zeit als Stellvertreter nahm er wieder anwaltliche Tätigkeiten auf, ab 2005 als Partner der internationalen Kanzlei Mayer Brown. 2007 kündigte er an, bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr zu kandidieren, 2009 schied er endgültig aus der aktiven Politik aus.
Die Nebentätigkeiten-Debatte
2005 beschloss die damalige rot-grüne Bundesregierung neue Transparenzregeln für Abgeordnete: Nebeneinkünfte mussten fortan in drei Stufen offengelegt werden (1.000 bis 3.500 Euro, bis 7.000 Euro, über 7.000 Euro, jeweils als monatlicher oder, bei unregelmäßigen Einkünften, als hochgerechneter Jahresbetrag). Merz gehörte 2006 zu einer parteiübergreifenden Gruppe von Abgeordneten, die dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht klagten, die Klage blieb jedoch erfolglos.
Im Zuge der Debatte berichtete der Spiegel, Merz sei während seines Bundestagsmandats elf Nebentätigkeiten nachgegangen, andere Quellen sprachen von acht. Das Manager Magazin schätzte seine Nebeneinkünfte zu dieser Zeit vorsichtig auf rund eine Viertelmillion Euro jährlich, davon rund 100.000 Euro allein aus seinem Aufsichtsratsmandat bei der Deutschen Börse, wie aus deren Geschäftsbericht hervorging.
Der WestLB-Auftrag im Detail
Die frühere Landesbank Nordrhein-Westfalens, die WestLB, geriet infolge der Finanzkrise 2007/2008 in existenzielle Schwierigkeiten und musste mit öffentlichen Mitteln gestützt werden, unter anderem mit einer stillen Einlage von 3 Milliarden Euro aus dem staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin im Jahr 2009. Da die EU-Kommission als Bedingung für weitere Staatshilfen eine Privatisierung verlangte, beauftragten SoFFin und die damaligen Eigentümer der Bank, insbesondere das Land NRW und die regionalen Sparkassenverbände, im Juni 2010 Friedrich Merz als “Veräußerungsbevollmächtigten” mit der Suche nach einem privaten Käufer.
Der Vertrag wurde nach der NRW-Landtagswahl vom 9. Mai 2010 noch vom scheidenden Finanzminister Helmut Linssen unterzeichnet, kurz bevor die neue Regierung ihr Amt antrat. Der nachfolgende Finanzminister Norbert Walter-Borjans bezeichnete diesen Zeitpunkt später selbst als “ungewöhnlich”. Wer Merz für den Posten vorgeschlagen hatte, ließ sich laut dem späteren Untersuchungsausschuss-Bericht nicht abschließend klären, ein Hinweis auf eine unzulässige Vorteilsnahme ergab sich dabei jedoch nicht.
Für Aufsehen sorgte vor allem das Honorar: Laut internen SoFFin-Unterlagen, über die der Stern zuerst berichtete, erhielt Merz ein Tageshonorar von 5.000 Euro. Der Bundesverband deutscher Unternehmensberater bewertete diesen Satz später als nicht unüblich, aber am oberen Rand der Marktspanne. Merz selbst erklärte im über 1.000 Seiten starken Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des NRW-Landtags, der Tagessatz basiere auf einer Acht-Stunden-Kalkulation, was einem Stundensatz von 625 Euro entspreche.
Merz selbst hatte laut dem Ausschussbericht früh eingeschätzt, dass ein vollständiger Verkauf der Bank “deutlich unter 50 Prozent” wahrscheinlich sei. So kam es auch: Ein Gesamtverkauf kam nicht zustande, die WestLB wurde stattdessen zerschlagen, Merz’ Mandat endete nach rund einem Jahr. Die taz berichtete unter Berufung auf den Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags, dass Merz zu diesem Zeitpunkt bereits rund 1,2 Millionen Euro in Rechnung gestellt hatte, die endgültige Gesamtsumme ist nicht öffentlich bekannt.
Mayer Brown und der Vergleich zu üblichen Kanzleigehältern
Bereits seit 2005 war Merz für Mayer Brown tätig, bis 2014 als Partner, seither als Senior Counsel. Zur Einordnung: Nach Branchendaten von Talentrocket und beck-stellenmarkt.de verdienen Equity Partner bei international tätigen deutschen Großkanzleien im Schnitt deutlich über 300.000 Euro, an der Spitze der US-Kanzleien mehr als 500.000 Euro jährlich, Counsel-Positionen meist zwischen 175.000 und 300.000 Euro.
Aufsichtsratsposten im Überblick
Über die Jahre saß Merz laut übereinstimmenden Medienberichten in mehreren Aufsichts- und Verwaltungsräten:
- Deutsche Börse AG: laut Geschäftsbericht rund 100.000 Euro Vergütung
- HSBC Trinkaus & Burkhardt: Verwaltungsrat ab 2010, Aufsichtsrat seit Juni 2010
- Commerzbank AG
- AXA Konzern AG
- Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH
- BlackRock Deutschland: Aufsichtsratsvorsitzender von 2016 bis 2020, laut Geschäftsberichten mit mindestens 125.000 Euro jährlich vergütet, andere Schätzungen gehen von bis zu 500.000 Euro inklusive Boni aus
Das offizielle Kanzlergehalt
Seit seiner Wahl zum Bundeskanzler im Mai 2025 ist Merz’ Einkommen gesetzlich festgelegt. Nach Paragraf 11 des Bundesministergesetzes liegt das Kanzlergehalt bei rund 360.000 Euro brutto jährlich, deutlich unter dem, was er zuvor in der Privatwirtschaft verdiente.
Das Vermögen von Friedrich Merz
Da deutsche Regierungsmitglieder ihr Gesamtvermögen nicht offenlegen müssen, sondern nur Nebeneinkünfte oberhalb bestimmter Schwellenwerte, bleiben alle kursierenden Zahlen Schätzungen. In einem “Bild”-Interview bezifferte Merz sein damaliges jährliches Bruttoeinkommen vor der Rückkehr in die Politik selbst auf rund 1 Million Euro. Eine seriöse Einordnung liegt damit bei einer Größenordnung von rund 10 bis 15 Millionen Euro.
Häufige Fragen zu Friedrich Merz
Wie viel verdient Friedrich Merz als Bundeskanzler? Rund 360.000 Euro brutto jährlich, geregelt durch Paragraf 11 des Bundesministergesetzes.
Was war der WestLB-Auftrag genau? 2010 sollte Merz im Auftrag von SoFFin und den Eigentümern des Landes NRW die Landesbank WestLB an einen privaten Investor verkaufen, zu einem Tageshonorar von 5.000 Euro. Der Gesamtverkauf scheiterte, die Bank wurde zerschlagen.
In welchen Aufsichtsräten saß Friedrich Merz? Unter anderem bei der Deutschen Börse, HSBC Trinkaus & Burkhardt, der Commerzbank, der AXA Konzern AG, der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH und als Vorsitzender bei BlackRock Deutschland.
Muss Friedrich Merz sein Vermögen offenlegen? Nein, deutsches Recht schreibt für Bundestagsabgeordnete und Regierungsmitglieder keine vollständige Vermögensoffenlegung vor, nur Nebeneinkünfte ab bestimmten Schwellenwerten müssen gemeldet werden.