Jens Söring: So hoch ist das Vermögen 2026
Jens Söring ist einer der ungewöhnlichsten Fälle in der deutschen Medienlandschaft: 1990 in den USA wegen des Doppelmords an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt, kam er nach mehr als 33 Jahren Haft 2019 auf Bewährung frei und wurde nach Deutschland abgeschoben. Seitdem ist er Autor, Podcaster, Redner und gefragter Talkshow-Gast. Doch wie viel Geld bringt ihm das tatsächlich ein? Wir haben öffentlich zugängliche Quellen ausgewertet, darunter Sörings eigene Aussagen, Medienberichte und eine investigative Recherche zu seiner Familiengeschichte.
Vom Gefängnis zur Medienfigur
Söring wurde 1966 in Bangkok als Sohn eines deutschen Diplomaten geboren und wuchs später in den USA auf. Nach seiner Festnahme in London 1986 und der Verurteilung 1990 verbrachte er mehr als drei Jahrzehnte in US-Haft, bevor er im Dezember 2019 freikam. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland hat er mehrere Bücher veröffentlicht, tritt regelmäßig in Talkshows und Podcasts auf und hat sich, wie er selbst sagt, eine neue Existenz als Coach, Redner und Podcaster aufgebaut.
Was Söring wirklich verdient
Bücher
Söring hat mehrere Bücher veröffentlicht, die meisten davon noch während seiner Haft. Sein bekanntestes Werk nach der Entlassung, Rückkehr ins Leben (2021, erschienen bei C. Bertelsmann/Random House), sorgte laut Verlagsangaben für erhebliche Medienresonanz. Konkrete Verkaufszahlen legt der Verlag jedoch nicht offen. Ein Blick auf die Amazon-Bestsellerliste zeigt allerdings, dass das Buch inzwischen weit außerhalb der Top-Ränge liegt, was eher für ein anfängliches Verkaufshoch und seither überschaubare laufende Verkäufe spricht als für dauerhafte Bestseller-Zahlen. Buchvorschüsse für Autoren dieser Kategorie (kein internationaler Bestseller-Status, aber hohe mediale Aufmerksamkeit) bewegen sich bei deutschen Publikumsverlagen laut Brancheneinschätzungen typischerweise im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich pro Titel - nicht in den sechsstelligen Summen, die Boulevardmedien oft unterstellen.
Social Media
Auf Instagram folgen Söring rund 22.000 Nutzer:innen, sein Kanal beschreibt ihn als Coach für “mentale Stärke” und True-Crime-Insider. Damit bewegt er sich in der Größenordnung eines Micro-Influencers. Nach gängigen Brancheneinschätzungen für den deutschsprachigen Markt werden in dieser Reichweitenklasse pro gesponsertem Beitrag üblicherweise niedrige drei- bis niedrige vierstellige Beträge gezahlt - sofern überhaupt Werbekooperationen stattfinden. Öffentlich sichtbar sind bei Söring jedoch kaum klassische Produktwerbungen; sein Content dient in erster Linie der Vermarktung der eigenen Person, etwa für Coaching-Angebote, Live-Events und sein Buch. Zusätzlich betreibt er einen YouTube-Kanal, auf dem er unter anderem Interviews mit Ermittlern aus seinem Fall veröffentlicht.
Coaching, Reden, Auftritte
Söring selbst beschreibt seinen heutigen Broterwerb als Aufbau einer “neuen Existenz als Coach, Redner und Podcaster”. Nach eigenen Angaben verdient er jedoch, anders als vielfach angenommen, kein Geld mit klassischen Medienauftritten: Mit Ausnahme von Prominenten wie Boris Becker bekomme man für Interviews üblicherweise kein Honorar, so Söring in einer öffentlichen Stellungnahme - “übrigens auch nicht von Netflix”. 2023 startete er sogar eine öffentliche Spendenkampagne, in der er offenlegte, dass laufende Kosten für Anwälte, Steuerberater und Miete ihn finanziell belasten und er nie in die deutsche Rentenkasse einzahlen konnte. Diese Selbstauskunft passt nicht zum Bild eines wohlhabenden Talkshow-Stars, relativiert aber auch, wie viel er tatsächlich mit bezahlten Coachings und Vorträgen einnimmt - dazu gibt es keine belastbaren Zahlen.
Der Netflix-Deal: Wirklich exklusiv?
2023 veröffentlichte Netflix die vierteilige Doku-Serie Der Fall Jens Söring – Tödliche Leidenschaft. Bereits im Vorfeld kursierten Berichte, etwa in einer Medienkolumne von MEEDIA, wonach Söring neben einem Buchvertrag mit Random House auch eine Netflix-Dokumentation über seinen Fall in Aussicht stehe. Die englischsprachige Wikipedia beschreibt Söring als jemanden mit einem “exklusiven Vertrag mit Netflix”. Söring selbst formuliert es in seinen eigenen, auf seiner Website veröffentlichten Antworten auf Recherchefragen des NDR präziser: Auf die direkte Frage, ob er einen Exklusivvertrag mit Netflix habe und wie hoch dieser dotiert sei, antwortete er, er habe einen “Exklusivvertrag mit einer Produktionsfirma”, über dessen Höhe Stillschweigen vereinbart worden sei.
Es handelt sich demnach offenbar nicht um einen direkten Vertrag mit Netflix selbst, sondern mit einer Produktionsfirma, die die Rechte an seiner Geschichte hält und die fertige Serie an Netflix lizenziert hat - eine in der Doku-Branche übliche Konstruktion. Wie viel Söring dafür konkret erhalten hat, bleibt durch die Verschwiegenheitsklausel unbekannt. Auffällig ist allerdings, dass er noch im selben Jahr, in dem die Serie erschien, öffentlich um finanzielle Unterstützung bat - ein Hinweis darauf, dass die Zahlung aus dem Produktionsvertrag entweder überschaubar ausfiel oder zeitlich anders verteilt ist, als Außenstehende vermuten.
Gerüchte um ein geheimes Vermögen: Die Gutenberg-Bibel
Hartnäckig hält sich in Online-Foren und Diskussionen das Gerücht, Söring verfüge über ein verstecktes Familienvermögen - ausgelöst durch eine Aussage, die er selbst bereits 1985 gegenüber Ermittlern machte. Damals, noch vor seiner Festnahme, erklärte er, seine wohlhabende Großmutter mütterlicherseits besitze unter anderem eine Gutenberg-Bibel und werde ihm testamentarisch Geld sowie Wertgegenstände hinterlassen, da er ihr Lieblingsenkel sei. Diese Aussage wurde später im Prozess 1990 als Beweismittel verwendet und ist bis heute die Quelle des Mythos vom reichen Söring.
Was danach geschah, hat der auf den Fall spezialisierte Blog The Soering Case des Journalisten Andrew Hammel anhand von zehn öffentlich zugänglichen Quellen - darunter Sörings eigene Interviews, Gerichtsdokumente und ein Buchzitat - rekonstruiert: Die Großmutter starb 1999, Sörings Mutter bereits 1997. Statt des erwarteten Erbes, so schildert es Söring selbst unter anderem in einem Podcast-Interview mit Amanda Knox, hätten sein Vater und sein Bruder das Familienvermögen für sich behalten. Seit dem endgültigen Scheitern seiner letzten Rechtsmittel vor dem Supreme Court 2001 habe die Familie zudem jede finanzielle Unterstützung eingestellt - woraufhin Söring den Kontakt abbrach und ihn bis heute nicht wieder aufgenommen hat. Die angebliche Gutenberg-Bibel oder ein Millionenerbe sind demnach nie bei ihm angekommen; im Gegenteil, der Streit um das Erbe gilt als eigentlicher Auslöser des bis heute andauernden Kontaktabbruchs zu Vater und Bruder. Das ursprüngliche Gerücht vom reichen Söring beruht damit auf einer über 40 Jahre alten Selbstauskunft aus einer völlig anderen Lebenssituation - nicht auf einem tatsächlich erhaltenen Vermögen.
Söhrings Vermögen 2026: Eine seriöse Einordnung
Offizielle Zahlen zu Sörings Finanzen gibt es nicht, weshalb sich sein Vermögen nur auf Basis der verfügbaren Indizien schätzen lässt. Dafür sprechen: keine erhaltene Haftentschädigung (nach eigenen Angaben wären bei einer offiziellen Unschuldsanerkennung rund 1,4 Millionen Dollar möglich gewesen, die ihm jedoch nie zugesprochen wurden), ein langjähriger, öffentlich dokumentierter Erbstreit mit der eigenen Familie, eine vergleichsweise kleine Social-Media-Reichweite ohne erkennbare große Werbedeals, mutmaßlich moderate Buchvorschüsse sowie eine 2023 gestartete Spendenkampagne für den eigenen Lebensunterhalt. Dagegen steht die unbekannte Höhe des Produktionsvertrags rund um die Netflix-Doku, die das Bild theoretisch deutlich verändern könnte, wenn sie überdurchschnittlich dotiert gewesen sein sollte.
In der Gesamtschau erscheint eine Einordnung in den niedrigen bis allenfalls niedrigen sechsstelligen Bereich (grob geschätzt zwischen 20.000 und 150.000 Euro) realistischer als die in manchen Foren kursierenden Vorstellungen von einem verborgenen Millionenvermögen. Sollte der geheime Produktionsvertrag deutlich höher dotiert gewesen sein als öffentlich erkennbar, wäre auch ein höherer Wert denkbar - belastbar belegen lässt sich das mit den vorliegenden Quellen jedoch nicht.
Fazit
Jens Söring lebt heute vor allem von seiner öffentlichen Rolle als Autor, Redner und Stimme in eigener Sache - nicht von einem ererbten oder verborgenen Vermögen. Das Gerücht von der reichen Familie und der Gutenberg-Bibel geht auf eine vierzig Jahre alte Aussage zurück, die sich durch den späteren Erbstreit mit Vater und Bruder gerade nicht bewahrheitet hat. Der wohl größte Unsicherheitsfaktor bleibt die vertraglich verschwiegene Höhe der Zahlung für die Netflix-Doku-Rechte.
Quellen
- Jens Söring – Wikipedia (deutsch)
- Jens Soering – Wikipedia (englisch)
- The Soering Case: Warum Jens Söring keinen Kontakt zu seiner Familie hat (Andrew Hammel)
- 33 Fragen vom NDR und meine 33 Antworten – jens-soering.de
- MEEDIA: Bekommt Jens Söring jetzt auch noch ’ne Netflix-Doku?
- Netflix: Der Fall Jens Söring – Tödliche Leidenschaft
- GoFundMe: Jens Söring – Neustart nach 33 Jahren US-Haft
- Übermedien: Die erstaunliche Medienkarriere des verurteilten Doppelmörders Jens Söring
- Rückkehr ins Leben – Amazon.de (Bestseller-Rang als Verkaufsindikator)
- Instagram: @jenssoering