Phil Collins: So hoch ist das Vermögen 2026
Phil Collins ist einer der kommerziell erfolgreichsten Musiker der Popgeschichte, als Genesis-Schlagzeuger und -Sänger ebenso wie als Solokünstler. Gleichzeitig zeigt kaum eine andere Musikerkarriere so deutlich, wie stark Scheidungen, Gesundheit und einzelne Geschäftsentscheidungen ein Vermögen prägen können. Statt die im Netz kursierende Zahl von 300 bis 350 Millionen US-Dollar unhinterfragt zu übernehmen, haben wir die wichtigsten belegbaren Ereignisse zusammengetragen.
Vom Genesis-Schlagzeuger zum Solostar
Collins stieß 1970 als Schlagzeuger zu Genesis und übernahm 1975 nach dem Ausstieg von Peter Gabriel auch den Gesang. Parallel startete er 1981 mit “Face Value” eine Solokarriere, die mit Hits wie “In the Air Tonight”, “Against All Odds” und “Another Day in Paradise” zu weltweiten Verkaufszahlen von zusammen mehr als 150 Millionen Tonträgern führte. Er gewann acht Grammys, zwei Golden Globes und einen Oscar für “You’ll Be in My Heart” aus Disneys “Tarzan”. 2026 wurde er zusätzlich zu seiner bereits 2010 mit Genesis erfolgten Aufnahme auch als Solokünstler in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
Der Katalog-Verkauf: Der zentrale Baustein seines Vermögens
Der wirtschaftlich bedeutendste Einzeldeal seiner Karriere fand im September 2022 statt. Wie die Wall Street Journal berichtete und von Variety, Rolling Stone, der BBC und dem Fachmagazin Music Week bestätigt wurde, verkauften Collins sowie seine Genesis-Bandkollegen Tony Banks und Mike Rutherford ihre Verlagsrechte und einen Teil ihrer Einnahmeströme aus den Master-Aufnahmen an die Concord Music Group für einen Betrag von über 300 Millionen US-Dollar. Der Deal umfasste sowohl das Genesis-Repertoire als auch Collins’ komplette Solo-Diskografie sowie Rutherfords Band Mike and the Mechanics, nicht jedoch die Musik von Peter Gabriel. Laut einem früheren Bericht des Fachmagazins Billboard, den die BBC zitierte, war Collins’ Solokatalog allein zuvor für rund 200 Millionen US-Dollar gehandelt worden, bevor daraus der größere gemeinsame Deal mit seinen Bandkollegen wurde. Vergleichbare Deals gab es in dieser Zeit unter anderem bei Bob Dylan (rund 400 Millionen US-Dollar) und Bruce Springsteen (rund 500 bis 600 Millionen US-Dollar).
Drei teure Scheidungen
Anders als bei vielen anderen Musikern seiner Erfolgsklasse hat eine Reihe von Scheidungen Collins’ Vermögen über die Jahrzehnte spürbar geschmälert. Nach der Scheidung von seiner zweiten Frau Jill Tavelman 1996 flossen laut übereinstimmenden Medienberichten umgerechnet rund 17 Millionen britische Pfund an sie. Deutlich bekannter wurde die Scheidung von seiner dritten Frau Orianne Cevey: Die deutsche Tageszeitung Tagesspiegel berichtete bereits 2008 unter Berufung auf die Offenlegung von Collins’ Firmenbilanzen, dass die Trennung ihn rund 25 Millionen britische Pfund, umgerechnet etwa 32 Millionen Euro, gekostet habe und damit zum damaligen Zeitpunkt die teuerste Scheidung der britischen Unterhaltungsbranche gewesen sei, noch vor der Scheidung von Paul McCartney und Heather Mills. Mehrere US-Medien wie Fox News bezifferten die Summe auf rund 46,68 Millionen US-Dollar.
Collins und Cevey kamen 2016 erneut zusammen, ohne erneut zu heiraten, und lebten gemeinsam in seiner Villa in Miami Beach. Als sich Cevey 2020 heimlich mit einem anderen Mann verheiratete und das Paar sich endgültig trennte, kam es laut Fox News zu einem monatelangen Rechtsstreit um das Anwesen, das Cevey und ihr neuer Ehemann zunächst nicht verlassen wollten. Collins verkaufte das Haus schließlich für rund 40 Millionen US-Dollar, ein Gericht wies Ceveys Anspruch auf die Hälfte des Verkaufserlöses zurück.
Die Alamo-Sammlung: Geld, das er verschenkt hat
Ein weiterer, oft übersehener Faktor bei Collins’ Vermögen ist, dass er einen erheblichen Teil davon nicht angehäuft, sondern bewusst wieder abgegeben hat. Über Jahrzehnte baute er eine private Sammlung historischer Artefakte zur Schlacht von Alamo auf, die er nach Angaben von CBS News und der Alamo-Verwaltung selbst 2014 vollständig und ohne Gegenleistung an die texanische Landesbehörde General Land Office übergab. Das Reise- und Kulturmagazin Fodor’s beziffert den Wert der Sammlung auf rund 42 Millionen US-Dollar. Der Bundesstaat Texas ernannte Collins daraufhin zum Ehrenbürger.
Gesundheit und das Ende der Live-Karriere
Seit einer Nervenverletzung während einer Genesis-Reunion-Tournee 2007 kann Collins nach eigenen Angaben kein Schlagzeug mehr spielen, sein Sohn Nicolas übernahm den Part bei späteren Tourneen. In einem Interview mit der BBC-Journalistin Zoe Ball zu seinem 75. Geburtstag im Januar 2026, das unter anderem von Rolling Stone und der britischen Zeitung The Independent aufgegriffen wurde, sprach Collins offen über fünf Knieoperationen, Nierenprobleme und einen mehrmonatigen Krankenhausaufenthalt. Er benötige inzwischen eine Pflegekraft rund um die Uhr, sei aber seit über zwei Jahren nüchtern, nachdem er nach dem Ende seiner Auftritte zeitweise stark getrunken habe. Seine letzte Live-Show spielte er Anfang 2022 zum Abschluss der Genesis-Tournee “The Last Domino?”. Diese gesundheitliche Entwicklung erklärt zugleich, warum ein möglicher Baustein vieler Musikervermögen, laufende Einnahmen aus neuen Tourneen, bei Collins seit einigen Jahren praktisch wegfällt.
Warum die kursierenden 300-bis-350-Millionen-Schätzungen kritisch zu sehen sind
Zahlreiche englischsprachige Webseiten beziffern Collins’ Vermögen unter Berufung aufeinander auf 300 bis 350 Millionen US-Dollar, ohne eine nachvollziehbare Berechnung oder Primärquelle zu nennen. Belastbar ist dagegen der Konzert-Katalogdeal von über 300 Millionen US-Dollar, der jedoch zu dritt zwischen Collins, Banks und Rutherford aufgeteilt wurde, sowie die dokumentierten Abflüsse durch mindestens zwei sehr teure Scheidungen und die verschenkte Alamo-Sammlung.
Vermögensschätzung: 200 bis 280 Millionen US-Dollar
Rechnet man Collins’ vermutlich größten Einzelanteil am Concord-Deal, plausibel geschätzt im Bereich von 150 bis 200 Millionen US-Dollar angesichts des zuvor separat gehandelten 200-Millionen-Angebots für seinen Solokatalog allein, mit jahrzehntelangen Album-, Tournee- und Filmmusikeinnahmen aus der Zeit vor diesem Verkauf zusammen und zieht man die gut belegten rund 80 Millionen US-Dollar an Scheidungssummen sowie die verschenkte, rund 42 Millionen US-Dollar schwere Alamo-Sammlung ab, erscheint uns eine Einordnung im Bereich von 200 bis 280 Millionen US-Dollar plausibler als die pauschal wiederholte Zahl von 350 Millionen US-Dollar. Eine exakte, von Collins selbst bestätigte Zahl gibt es nicht.
Fazit
Phil Collins’ Vermögen lässt sich anders als bei vielen Popstars nicht allein aus Plattenverkäufen und Tourneen erklären, sondern vor allem aus einem einzelnen, sehr gut dokumentierten Katalog-Deal aus dem Jahr 2022. Gleichzeitig zeigen seine Scheidungen und die verschenkte Alamo-Sammlung, wie viel von einem über 50 Jahre aufgebauten Vermögen auch wieder abfließen kann, freiwillig wie unfreiwillig.
Quellen
- Variety: Phil Collins and Genesis Sell Catalogs to Concord for $300 Million
- Rolling Stone: Phil Collins and Genesis Part With Publishing in $300 Million Deal With Concord
- BBC News: Phil Collins and two Genesis bandmates sell song catalogue for a reported $300m
- Music Week: Concord acquires catalogues of Genesis’ Tony Banks, Phil Collins and Mike Rutherford
- Tagesspiegel: Rekordsumme – Phil Collins bezahlt Millionen für Scheidung
- Fox News: Report – Phil Collins Breaks Divorce Payout Record in Split From Third Wife
- Fox News: Phil Collins Accuses Ex-Wife of Fraud in Multi-Million Legal Battle
- CBS News: Phil Collins Gives Alamo Collection To Texas
- The Alamo: Phil Collins Collection
- Fodor’s: Phil Collins’s Surprising Love of and Contributions to the Alamo in Texas
- Rolling Stone: Phil Collins Says He’s ‘Totally Mobile and Healthy’ Following a ‘Difficult, Frustrating Few Years’
- The Independent: Phil Collins says it’s been a ‘difficult, frustrating few years’ in rare new interview